Blind Spot Zyklus, Teil 1: Weshalb wir dringend mehr Wissen über den weiblichen Körper brauchen

Blind Spot Zyklus, Teil 1: Weshalb wir dringend mehr Wissen über den weiblichen Körper brauchen

Stell dir vor, wir würden uns gerade auf der Straße begegnen und wir würden dir versprechen, dir 10.000 Euro zu geben, wenn du uns erklären könntest, wie der weibliche Zyklus funktioniert. Würdest du triumphierend als Gewinner*in aus diesem Szenario hervorgehen, oder als Verlierer*in? Sollte letzteres der Fall sein, sei versichert: Du wärst nicht allein. 

Die Wissenslücken im Bereich Frauengesundheit, weibliche Anatomie und Sexualität sind enorm und betreffen sowohl Männer als auch Frauen. Die Konsequenz daraus ist nicht nur fehlende Empathie für zyklusbedingte Beschwerden und eine Benachteiligung im öffentlichen Raum durch mangelhafte sanitäre Standards, sondern auch gesundheitliche Folgen. Gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose oder PCOS, die zwar häufig vorkommen, werden durch fehlendes Wissen und lückenhafte Forschung jedoch erst sehr spät erkannt. Ein Umstand, den wir dringend ändern müssen – und den jede*r durch Weiterbildung ändern kann. Deshalb wollen wir in den kommenden Wochen Zykluswissen teilen, von den Basics, über Mythen bis hin zu dem aktuellen Forschungsstand und zukünftigen Chancen. 

Der weibliche Körper hatte die längste Zeit keine Priorität

Der weibliche Zyklus ermöglicht es, Leben zu erschaffen und es auf die Welt zu bringen. Man kann also sagen, dass er eine ziemlich große Sache ist. Aber warum wissen wir über eine so große und wichtige Sache so wenig? Der mehr als begrenzte Kenntnisstand über den Menstruationszyklus lässt sich auf diverse Faktoren zurückführen, wie historische Tabus sowie gesellschaftliche und medizinische Priorisierung. Hinzu kommt, dass auch in Bildungseinrichtungen der weibliche Körper, seine Anatomie sowie seine hormonellen Abläufe oft vernachlässigt wird. Erst seit Kurzem gibt es so beispielsweise Lehrbücher, die anatomisch korrekte Abbildungen von Vulva und Klitoris zeigen. 

Besonders gravierend ist die mangelnde schulische Aufklärung jedoch beim Thema Zyklus selbst. Im Biologieunterricht bleibt er oft Randthema, wodurch es an umfassenden Informationen zu reproduktiver Gesundheit fehlt. Diese Lücke in der schulischen Aufklärung trägt dazu bei, dass junge Menstruierende unvorbereitet und uninformiert in die verschiedenen Phasen ihres Lebenszyklus eintreten, oft hormonell verhüten, ohne wirklich zu verstehen, wie ihr Zyklus funktioniert und nicht selten mentale und körperliche Beschwerden vor ihrer Menstruation haben, die sie nicht vollständig zuordnen können. 

Der Zyklus geht jede*n etwas an

Doch auch für nicht menstruierende Personen ist Wissen über den Menstruationszyklus von nicht zu geringer Bedeutung, insbesondere, wenn es um Schwangerschaftsverhütung geht. Eine umfassendere schulische Aufklärung über den Menstruationszyklus könnte also nicht nur das Verständnis und die Akzeptanz für die natürlichen Prozesse des Körpers fördern, sondern auch dazu beitragen, bestehende gesellschaftliche Tabus und Stigmata zu brechen.

Ein weiteres Problem, wenn es um den Menstruationszyklus geht, ist die unzureichende Forschungsförderung in diesem Bereich. Finanzierungen und Ressourcen fließen häufiger in Studien zu anderen medizinischen Themen, während zyklusbezogene und gynäkologische Forschung unterrepräsentiert bleibt. Die Folge: Eine unvollständige Entschlüsselung der komplexen Zusammenhänge zwischen Hormonen, Emotionen und körperlichen Veränderungen im Laufe des Zyklus. 

Die Auswirkungen dieses Wissensdefizits sind also vielschichtig und problematisch. Deshalb ist es umso wichtiger, den Zyklus besser zu erforschen und verstärkt in Bildungsprogramme zu integrieren. Denn eine umfassende Aufklärung könnte nicht nur das individuelle Wohlbefinden und die Gesundheit Menstruierender fördern, sondern auch zu einer gleichberechtigteren Gesellschaft beitragen. 

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